Immer mehr Arztpraxen und Krankenhäuser stehen vor einer zentralen Entscheidung: Setzen sie auf Microsoft 365, Google Workspace oder auf eine selbstgehostete Lösung wie Nextcloud? Auf den ersten Blick wirken die großen Cloud-Anbieter komfortabel und leistungsfähig. Doch gerade im Gesundheitswesen, in dem hochsensible Patientendaten verarbeitet werden, wiegen die Risiken deutlich schwerer als die Vorteile.
Ein entscheidender Punkt ist der US CLOUD Act. Dieses Gesetz erlaubt es US-Behörden, auf Daten zuzugreifen, die von US-Unternehmen kontrolliert werden, selbst wenn diese Daten physisch in Europa gespeichert sind. Das bedeutet konkret: Auch wenn Microsoft Ihre Daten in einem Rechenzentrum in Frankfurt speichert, kann ein Zugriff durch US-Behörden nicht ausgeschlossen werden. Maßgeblich ist also nicht der Serverstandort, sondern die Kontrolle durch ein US-Unternehmen.
Dadurch entsteht ein erhebliches rechtliches Risiko, insbesondere im Hinblick auf § 203 StGB. Ärzte unterliegen der Schweigepflicht, und Verstöße können strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wenn Patientendaten in einer Cloud gespeichert werden, kann bereits die theoretische Zugriffsmöglichkeit eines Dritten als unbefugte Offenbarung gewertet werden. Genau hier liegt das Problem: Sobald ein Anbieter wie Microsoft potenziell Zugriff erhalten könnte, bewegen sich Praxen und Kliniken rechtlich in einem kritischen Bereich.
Hinzu kommen die datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Rahmen der DSGVO. Sowohl Microsoft 365 als auch Google Workspace verarbeiten in der Standardkonfiguration umfangreiche Diagnosedaten zu eigenen Zwecken. Dadurch verlassen sie die Rolle eines reinen Auftragsverarbeiters. Gleichzeitig hat die Datenschutzkonferenz den Einsatz von Microsoft 365 wiederholt kritisch bewertet. Darüber hinaus verschärft das Schrems II Urteil die Situation, weil Datenübermittlungen in Drittländer nur unter strengen Voraussetzungen zulässig sind.

Die Nextcloud-Alternative: Volle Datenkontrolle
Im Gegensatz dazu bietet Nextcloud eine deutlich höhere Kontrolle über die eigenen Daten. Sie entscheiden selbst, wo die Daten gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann. In der Praxis bedeutet das: Die Daten verbleiben entweder auf eigenen Servern oder bei spezialisierten deutschen Hosting-Anbietern in zertifizierten Rechenzentren. Dadurch entfällt die Übermittlung in Drittländer, und gleichzeitig besteht kein Risiko durch den US CLOUD Act.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Transparenz. Nextcloud ist Open Source, sodass Sie jederzeit nachvollziehen können, wie die Software arbeitet. Es gibt keine versteckten Datenflüsse und keine unkontrollierte Weitergabe an Dritte. Gleichzeitig reduzieren Sie das Risiko einer unbefugten Offenbarung im Sinne des § 203 StGB erheblich, weil Sie die vollständige Kontrolle über die Infrastruktur behalten.
Auch funktional muss sich Nextcloud nicht verstecken. Die Plattform bietet alle wichtigen Funktionen für den Arbeitsalltag, darunter Dateispeicherung, Synchronisation, Versionierung sowie die Zusammenarbeit an Dokumenten. Darüber hinaus lassen sich Zugriffsrechte sehr granular steuern, was insbesondere im medizinischen Umfeld entscheidend ist. Durch das modulare App-System können Sie die Lösung gezielt erweitern, beispielsweise um spezielle Anwendungen wie DICOM-Viewer für medizinische Bilddaten.
Neben den rechtlichen und technischen Vorteilen spielt auch die wirtschaftliche Seite eine Rolle. Nextcloud benötigt keine klassischen Lizenzmodelle pro Arbeitsplatz und macht Sie unabhängig von einzelnen Herstellern. Dadurch behalten Sie langfristig die Kontrolle über Kosten und Weiterentwicklung Ihrer IT-Infrastruktur.
Insgesamt zeigt sich klar: Die Nutzung von US-Clouds im Gesundheitswesen bringt erhebliche rechtliche Unsicherheiten mit sich. Insbesondere der CLOUD Act und die mögliche Zugriffsmöglichkeit durch Dritte stehen im direkten Konflikt mit der ärztlichen Schweigepflicht. Nextcloud hingegen bietet eine datenschutzkonforme und kontrollierbare Alternative, die sowohl technisch als auch rechtlich überzeugt.